Wurstware in 3D

2,73 Milliarden US-Dollar. Was zunächst wie die Beteiligung des Steuerzahlers am Griechenland-Debakel klingt, ist in Wirklichkeit die Summe, auf die sich die Einnahmen des Kinohits „Avatar“ belaufen. Seit 1997 konnte „Titanic“ den Titel des erfolgreichsten Kinofilms beanspruchen, wurde jedoch mit seinen lächerlichen 1,8 Mrd. $ mit Leichtigkeit verdrängt.
Verwunderlich ist diese Umwälzung der Film-Bestseller jedoch nicht. Denn wer für seine heutige 3D-Vorstellung 12-15€ verlangt, dem reichen auch schon 1/5 der Zuschauer, die eine „Titanic“ brauchte, zu Zeiten, in denen man noch für 2,50€ ins Kino kam.

Für Regisseure, Filmproduzenten, Kinobetreiber und sonstige Persönlichkeiten im Filmgeschäft dürfte die Fixierung auf die neuartige 3D-Technolgie äußerst günstig sein. Wo früher tiefsinnige Menschheitsparabeln mit herausragenden Schauspielern Millionen Zuschauer(inen) zu Tränen rührten und allein die Idee für einen Kinofilm Gold wert war, wird heute jeder Gedanke zu einem Film „verwurstet“, der weder durch Inhalt, noch durch Darsteller bestechen kann, und nur mit 3D-Effekten aufgewertet wird, die in den meisten Fällen, insbesondere in Komödien, so aufgesetzt und zwanghaft wirken, dass man sich fragen muss, ob man seinen Kindern nicht verbieten würde, sich so etwas ohne Zauberbrille anzusehen. Und das Doppelte an Geld bringt´s auch noch rein. Was sonst belanglose Effekthascherei ohne jeglichen Sinn und Verstand wäre, wird wie in „Kampf der Titanen“ zum epischen Meisterwerk. In 3D. Für schlappe 12-15€.

Habt ihr euch ehrlich schon mal nach einer 3D-Vorstellung nachgedacht, worum es in dem Film eigentlich ging? Habt ihr in einer 3D-Vorstellung innegehalten und gedacht, wie packend die erzählte Story ist und in was für einem Dilemma der Protagonist steckte? Nein? Gut, aber die Figuren scheinen aus der Leinwand zukommen. Hurra.

Ich jedenfalls bin gespannt, was passiert, wenn alle 3D-Streifen nach der üblichen DVD-Zeitspanne im Handel erscheinen. Dutzende Reihen von Filmen, die allesamt in 3D gezeigt wurden, mit 12-15€ Eintritt und bezaubernden Effekten. „Titanic“ büßt außer der großen leinwand nichts an Emotionen und damit n Qualität ein. Aber ein „Kampf der Titanen“ verkommt zu Hause auf dem 2-Ebenen-Fernseher zur belanglosen Effekthascherei ohne jeglichen Sinn und Verstand, wie Wurstware es eben an sich hat.

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2 Comments

  1. Mit den 3D-Filmen ist das so eine Sache. Manche Filme kommen wirklich besser in 3D – aber man sollte schon die Wahl haben: entweder konventionell in 2D für 7,50 € oder die Luxusvariante für 15 €. Das ist aber meist nicht drin! Besonders frech finde ich, dass die “Zusatz”brille auch noch “zusätzlich” bezahlt werden muss.

  2. Wo du Recht hast, hast du Recht. Obwohl Avatar auch ohne 3D ein super Film ist und die Story wirklich fesselnd ist. Man muss es trotzdem von allem Standpunkten aus betrachten 😉

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