Verdammt, ich bin ein Arschloch. Und du, du, du auch. Und du…

Ehrlich gesagt hätte ich nicht erwartet, dass mein letzter Artikel zum einen eine doch größere Leserzahl bekommt und zum andern, dass es ernsthaftes Feedback geben würde. Wow, danke an alle, ihr habt mich groß gemacht. 😉

Und da wir so und so schon bei weltumfassenden Themen sind, will ich heute, als kleiner, kleiner blauäugiger Junge erklären, warum es Krieg gibt. Und Leid. Und das Böse. Und zwar im Grundsatz. Bereit?Mein Ansatz war die Frage, ob der Mensch von Grund auf gut oder böse ist. Ich weiß, zwei Philosophen stellten sich diese Frage bereits zu Genüge, aber ich fragte mich zuerst, was denn „gut“ und „böse“ ist. Wenn man sich betrachtet, welche Menschen heute böse und welche gut sind, kommt man darauf, dass die Personengruppe, für deren Begünstigung man überwiegend lebt, entscheidend ist. Wer sich größtenteils für das Kollektiv bemüht, den Armen hilft, und lieb Steuern zahlt, ist gut. Wer stiehlt, im eigenen Interesse lügt und tötet, ist böse. So einfach. Natürlich kann jeder Gute mal etwas Böses tun, doch geht es, wie gesagt darum, was überwiegt.

Frage geklärt. Ab diesem Punkt ist die Beantwortung eigentlich glasklar. Weil wir es alle wissen und es nicht glauben wollen. Weil wir´s täglich erleben, um uns herum, an uns selbst, einfach an der Existenz der Menschheit.

Innen drin sind wir doch alle Arschlöcher, oder?

Wenn keiner hinsieht lachen wir doch über den Typen, der ausrutscht und auf die Schnauze fliegt. Wenn keiner hinsieht, nehmen wir uns den letzten Muffin, egal wer ihn wollte. Wenn keiner hinsieht…

Und warum?

Warum nicht? Weil es Instinkte sind, ureigene Verhaltensweisen, die jedem inne sind, Mensch wie Tier. Und was unterscheidet uns von den Tieren? So ein Quatsch wie Ich-Bewusstsein oder ein opponierbarer Daumen? Verdammt nein, sondern das wir es uns leisten können, unsere Instinkte zu ignorieren. Dass einige Menschen sich nicht den letzten Muffin nehmen. Dass einige nicht lachen, bei dem Typen, der hinfällt. Aber nur weil sie schon satt sind, nur weil sie über andere Sachen lachen können.

Von da an ist es dann kein weiter Schritt, warum es Kriege gibt, warum Leid existiert.

Weil wir dir unmenschlichsten Tiere von allen sind, die es am besten kaschieren. Natürlich wollte Hitler, dass seine Rasse die anderen besiegt, das macht jeder Hirsch so, der sein Revier markiert, bis er auf Gegner trifft. Und dann kämpfen die sich auch zu Tode.

Natürlich will Amerika das Öl im Irak, jede Affenbande will die leckeren Früchte und kloppt sich darum.

Und natürlich will jeder den letzten Muffin, wie jedes Tier sein Leckerli will.

Wir haben nur das Pech, dass wir dank unserer fortschreitenden Entwicklung Systeme haben, die all das verbergen und dass wir automatische und atomare Waffen haben, die es uns ermöglichen, unsere Triebe, so ungern jemand zugeben würde, dass nur sie ihn bewegen, auszuleben, und zwar in einer Weise, wie kein Tier es jemals tun könnte.

Und deshalb gibt es Krieg, deshalb gibt es Leid. Das ist der Grund für alles Böse auf dieser Welt. Uns ist es als fortschrittliche Rasse möglich, das alles so auf die Spitze zu treiben, dass man es so krass jeden Tag in den Nachrichten sieht. Aber keine Angst, würden die lieben Rehe die Möglichkeit haben, würden auch sie Kinderabreit in China einführen, mit kleinen Rehkitzen, die nach dem Darwinismus nicht stark genug waren und jetzt den Instinkten der Großen und Starken dienen, und nicht anders ist es doch bei uns. Nur wir haben bereits geschafft, wonach alles was, kreucht und fleucht,  doch letzten Endes strebt. Hurra, hurra.

Und ja, man kann sagen, dass ich insgesamt keinen besonderen Respekt vor der Menschheit habe, mich selbst eingeschlossen, weil ich nur darüber schmunzelen kann, wie sehr wir uns selbst schätzen. Ich glaube nicht an das Gute im Menschen, wirklich nicht. Nur an die Möglichkeit, das es ab und zu die Oberhand gewinnt, weil derjenige gerade zufrieden ist und nichts weiter braucht, weshalb er dann auch einmal etwas „gutes“ tun kann. Ansonsten handeln wir für uns, unsere Familie, die Leute die uns wichtig sind und sonst für niemanden. Weil wir Arschlöcher sind. Und das von jeder Zelle aus, jedem verdammt noch so kleinen Quark-Teilchen unserer Neutronen in uns, weil es seit Anbeginn der Zeit der einzige Weg war, zu überleben. Und was Milliarden Jahre währt, wird nicht in zehn Dekaden Wohlstand abgelegt, dass bleibt uns, bis alle restlos und für immer glücklich sind. Es bleibt uns noch verdammt lange.

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One Comment

  1. Das sind ja diesmal tiefgreifende philosphische Ergüsse – und was soll ich sagen… im wichtigsten Punkt stimme ich dem Autor (cool ne?) zu: im Grunde steckt in jedem Menschen ein Biest, in dem einen weniger als in anderen – aber es ist da!

    Wie oben bereits gesagt, dieses böse Tier in uns wird wohl nur gezämt, weil der Mensch als soziales Tier auf die Zustimmung seiner Herde angewiesen ist und die akzeptiert es meist nicht, wenn man den richtigen Egomanen raushängen lässt. Und weil der Mensch evolutionstechnisch gesehen alleine nicht weit kommt (allein im Dschungel hat man eben schlechte Karten) wird der fiese Kerl im Inneren meist weggesperrt.

    Natürlich ist es grundsätzlich klar, dass jeder nach dem letzten Muffin schielt und (wenn möglich) sich diesen Muffin krallt, aber das verhalten von Hitler und seiner Gang allein damit zu begründen ist wohl nicht möglich. Denn auch wenn ein rücksichtsloser Überlebenstrieb allen Wesen (Tieren und Pflanzen) eigen ist, so führt er doch zumindest bei höher entwickelten Säugetieren, zu denen ich den Menschen auch zähle) nie zum geplanten und organisierten Ausrotten ganzer Rassen. Ein Rudel Wölfe mag zwar eine Herde Rehe einkreisen und hetzen – aber das Ziel dieser Hatz ist nicht die vollständige Ausrottung dieser Herde sondern die Befriedigung des Bedürfnisses nach notwendiger Nahrung. Das was die deutschen Nazis da “geschafft” haben, ist schon ein besonders perfides Werk. Aber es zeigt auch was passiert, wenn der Druck der Gemeinschaft auf angepasstes, “gutes” Verhalten entfällt oder, wie bei den Nazis, sogar gegen das völlige Gegenteil ersetzt wird: die Taten der Nazis in den KZs, bei den Verbrechen in den besetzten Gebieten in Russland, Polen oder Frankreich und Italien waren ja nicht die Handlungen Einzelner sondern ganzer Gruppen von “Helden”, in denen das Abschlachten ganzer Dörfer akzeptiert, ja sogar gewünscht war.

    Aber man muss sich gar nicht diese extreme Form des Ausbruch des Bösen im Menschen anzuschauen. Das ganze beginnt bereits im Kleinen, wenn Gruppen von Jugendlichen durch ihr Revier ziehen und in der Gruppendynamik die normalen Regeln von Erlaubt und Verboten verschoben oder ganz ausgesetzt werden. In diesen Gruppen werden die “normalen” Regeln der Gesellschaft durch interne Regeln gelockert oder gar ersetzt.

    Und was passiert gar im Krieg, dem Overkill der menschlichen Anstandsregeln? Hier wird den Soldaten befohlen, die sonst geltenden Regeln der Unversehrtheit des Lebens zu brechen, natürlich unter bestimmten Voraussetzungen und Regeln… Aber ich glaube, wenn diese Regeln einmal gebrochen wurden, ist es für jeden Betroffenen extrem schwierig, in ein normales Leben zurück zu kehren. Entweder er ein Leben lang damit zu tun den Widerspruch zwischen den Regeln des normalen Lebens und Krieg zu verarbeiten oder aber das einmal freigelassen Biest kann nicht mehr eingesperrt werden. Das ist, so glaube ich, das größte Problem aller militärisch ausgefochtener Konflikte. Egal wer am Ende gewinnt, alle Beteiligten (tot oder lebendig) verlieren letztlich.

    Nach all dem pessimistischen Gedanken noch eins: wenn der Mensch nicht prinzipell und überwiegend in der Lage wäre, seinen fiesen Kern unter Kontrolle zu halten, wären wir wohl bereits ausgestorben – und das bereits vor der Erfindung der Atomwaffen. Deshalb denke ich, dass die Guten letzlich die Oberhand behalten werden. Oder??

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