Ich und das Schicksal

 

Non scholae, vitae student – Ohne Frage, denn sonst wäre dieser Artikel wohl kaum entstanden.

Man kennt sicherlich diese brennend heißen Themen, die man immer wieder in Unterricht behandelt. Solche Sachen, bei denen man sich denkt „Hey, wenn ich nachts aufwache, kann ich endlich eine Tangenskurve verschieben!“. Manch einer mag auch wissen, dass er jetzt endlich knifflige Chemieaufgaben lösen kann, wenn nichts auf ProSieben kommt. Ich für meinen Teil wurde aber durch „Antigone“, und die Thematik des Schicksals, die da dort auch stellenweisen angerissen wird, zu der Frage gebracht:

„Gibt es ein vorherbestimmtes Schicksal?“

Oh ja, so was frage ich mich, wenn ich um 16 Uhr nach Hause komme (denn ich hab nicht das Glück, noch eine Stunde gemütlich mit dem Bus fahren zu dürfen).

Jedenfalls: Schicksal. Was ist Schicksal? Für mich ist das ein mehr oder weniger detaillierter Plan, der wichtige Ereignisse unseres Lebens vorherbestimmt, auf den wir keinen Einfluss haben und der halt „da“ ist. Einfach so. Dafür spricht Gott und sein Plan… für… na für sein Reich eben, das hier irgendwann aufschlagen wird und alle ungläubigen Sünder nur auf Grund ihrer Fehlinformation in die Hölle wirft. Ich schweife ab.

Dagegen jedoch spricht der freie Wille eines jeden Menschen, den ich hier ein mal voraussetze, der unberechenbar alles durcheinander wirft, was man so planen kann. Und wenn Gott dass doch kann, alles planen, was wir machen, dann wäre das Leben an sich doch eine Farce. Eine riesige Simulation, bei der Gott davor sitzt und eh schon weiß, wie´s ausgeht. Praktisch die dritte Wiederholung der 4. Staffel der Simpsons.

Und das würde heißen, dass unser freier Wille und damit das Bewusstsein, das wir als Menschen ja irgendwo als Besitzer eben jenes haben, reiner Unsinn ist und wir selbst nicht merken, dass wir durchschaut, berechnet und… ja, gesteuert werden. Und zwar von Gott.

Da ich aber nicht an Gott glaube (man bewahre mich bitte vor dem Fegefeuer, wenn es denn kommt), bleibt die Frage, was denn unser freier Wille, unser Bewusstsein ist. Oh man, das ist so simpel, dass es eigentlich nicht mehr schön ist.

Strom. Energie. Das Zeug, mit dem wir die Mikrowelle betreiben.

Und dieses Zeug, so abstrakt das auch klingen mag, bildet zusammen mit der Struktur, die unser Gehirn so hat, unser Bewusstsein. Das Leben, um das wir hier so einen Trubel machen, ist an sich nur eine komplexe Kombination von physischen Vorgängen, während derer Energie, in Form der elektrischen Ströme, die unsere Nervenzellen stimulieren, auf ein unglaublich ausgefeiltes System von Zellen und Stoffen einwirkt, die letztendlich unsere Muskeln dazu veranlassen, sich zu bewegen.

Unser Geist, unsere Seele, unser Bewusstsein, „WIR“, sind letztendlich Ansammlungen von organisierten Atomen, die durch ständige Energieflüsse scheinbar willkürlich bewegt werden.

Und das nach den einfachsten Gesetzen der Physik.

Ein Vergleich: Nach jahrelanger Forschung und Herumrechnerei kann man inzwischen ausrechnen, wie weit ein Fadenpendel unter bestimmten Bedingungen ausschwingt. Ein Körper besitzt Energie und bewegt sich. Wir beobachten dass, errechnen eine Formel und wissen, was er tun wird.

In einer weitaus umfassenderen Art und Weise verhält es sich auch mit uns. Da unser System aber bedeutend komplexer ist, als das eines Fadenpendels, hat man für einen Menschen bis jetzt noch keine Formel gefunden. Für mich steht aber fest:

Seit Anbeginn der Existenz von „irgendwas“ stand fest, wie Atome sich verhalten und bewegen, welchen Kräften sie ausgesetzt sind und wie diese auf sie wirken. Das heißt, von dem Moment an, an dem „irgendwas“ da war, und an dem also die Existenz von „allem hier“ anfing, war festgelegt, wie jedes Atom sich zu jeder Zeit verhalten würde, weil alles, was heute geschieht immer noch ein Teil eine Kette von Reaktionen ist, die auf einfachsten Regeln beruht.

Unser freier Wille ist absolut berechenbar. Jeder Gedanke, jede Handlung ist nur das Ergebnis der Stärke des Stroms in unserem Gehirn, dass sich auf Nervenbahnen bewegen, die diese Gedanken formen und ihre eigenen Formen durch wiederum vorherige Reaktionen bekommen haben.

Was ich sagen will: Hätte der Mensch das Wissen, wie viele Atome es gibt, wie sie sich verhalten und wo sie zu einem bestimmten Zeitpunkt sind (sprich: alle Vektoren eines jeden einzelnen Atoms in diesem Universum), dann könnten wir ausrechnen, was in 100.000 Jahren aus dem Atom XYZ geworden ist und aus der Kombination der Entwicklung aller Atome würden wir wissen, wie die Welt dann aussieht, was jeder Mensch zu jeder Zeit gemacht hat. Egal was wir tun, unser Verhalten und unser Charakter sind zwar durch die Form unseres Gehirns festgelegt, aber diese Form und selbst die Ereignisse, die uns prägen und anscheinend verändern, sind nur Ergbenisse der Bewegung der Atome. Und diese Bewegung kann man theoretisch ausrechnen, als sogenannte „Weltformel“, wie sie auch heute noch gesucht wird.

Das ist das Schicksal. Und das ist mein Schicksal. Da wir aber als bescheidene Lebensform dieses Wissen wohl kaum erlangen können und es für uns immer unbekannte Variablen geben wird, werden wir unser eigenes Schicksal wohl nie erfahren. Wenigstens kann ich sicher sein, dass ich nicht von einem Gott gelenkt werde, an den ich nicht glaube, sondern dass ich (bzw. die Atome, aus denen ich bestehe) einfach nur den grundlegenden Gesetzen folge und es damit eigentlich egal ist, was ich tue. Denn meine Gedanken, mein Bewusstsein, mein Handeln, mein Leben sind physikalisch festgelegt. Und solange ich nicht anfange, nach oben fallen zu können, werde ich auch kaum etwas daran ändern.

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One Comment

  1. Ah, eine Mischung zwischen Neurobiologie, Chaostheorie und Atheismus! 😉
    Ich würde mich gegen die Behauptung verwehren, dass man alles berechnen kann. Vielleicht magst du Recht haben, das dies möglich ist, wenn man alle Faktoren kennt, doch Gott sei Dank, gibt es immer eine Größe, die unbekannt bleibt.

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